Welcome to the
Plastic Confessional
Um genau zu sein eine Kapelle. Es ist ein Ort der Wertschätzung. Wertschätzung der kleinen Freuden im Alltag. Es ist Kritik. Kritik an unserem Konsumverhalten. Ein Blick darauf wie achtlos wir Dinge, die wir als wertlos empfinden wegwerfen, die Anderen noch viel Freude bereiten könnten. Es ist auch eine Erlaubnis. Eine Lizenz schamlos man selbst zu sein und seine Individualität und den inneren, emotionalen Reichtum nach außen zu zeigen. Es ist ein Ort Erinnerungen zu besuchen und in neuem Licht, einem neuen Kontext, als eine neue Person wahrzunehmen und zu reflektieren.
*Was ihr hier vor euch seht, ist ein Peppa Pig Gartenhaus für Kinder. Dieses habe ich im Februar 2025 von einer Familie auf Kleinanzeigen geschenkt bekommen. Es war dreckig! Ich habe es geputzt, ich habe es renoviert und es mit jahrzehntelang gesammelte Artefakten in eine prunkvoll überquellende Kapelle verwandelt. Es ist für mich die monumentale Umkehrung meiner früheren Zurückhaltung und die Manifestation meines Kernanliegens: Ich möchte mein Inneres sichtbar machen und mich verbunden mit dem Fremdkörper des Außerhalbs fühlen.
Wie soll ich dieses riesige (sowohl physisch als auch emotional) Projekt in Worte fassen? Für die Menschen, die es kurz mögen: springt gern zu dem mit einem Sternchen gekennzeichneten Absatz dieses Textes. Für alle, die gerne Geschichten hören, folgt mir.
Meine Cousinen und ich sind mit meinem Vater und Onkel in den Sommerferien immer Bernsteinsuchen gegangen. Bis heute ist die Bernsteinsuche auf Wangerooge ein absolutes Highlight meines Jahres, auch wenn die Erfolgsquote im Vergleich zu 1994-2004 stark gesunken ist. Einmal wurde uns von unseren Vätern vom Bernsteinzimmer erzählt. Die Überzeugung, dass auch nur eine 1% Chance bestehen könnte, dass wir das Bernsteinzimmer auf Wangerooge finden, wenn wir mit unseren Kinderschaufeln 30cm tief graben, hat uns viele Stunden beschäftigt. Bei mir wohnt diese Erinnerung bis heute in einer leicht abrufbaren Ecke meines Gehirns. Das Bernsteinzimmer ist mein Roman Empire.
Das Bernsteinzimmer ist definitiv der metaphorische Erdkern dieser Welt, die sich zwischen meinen bastelnden Händen aufgebaut hat. Noch lieber, als das Bernsteinzimmer zu finden, möchte ich nur ein eigenes Haus, was ich nach Herzenslust gestalten, umbauen und bemalen darf. Man kombiniere diese tiefsitzende Leidenschaft kleine, leuchtende Fremdkörper im Dreck zu finden mit: einer schüchternen Kindheit voller "was, wenn ich mich doch getraut hätte", einer großen Liebe zur visuellen Reizüberflutung und einer nun erwachsenen Künstlerin, die die Ideen, die Mittel und eine gesunde Prise Übermut besitzt und was kommt heraus? Bippedi Bappedi Bu – ein Haus!
DANKSAGUNG
Ein großes Dankeschön an alle, die etwas buntes zu diesem Werk beigetragen haben: Christa, Hans, Antonia, Justus, Lise, Alice, Alina, Imme, Jennifer, Kiki, Anne, Laila, Marie, Musa, Tanja, Martina, Frau M., Karolina, Aileen, Sophie, Julia, Jackie, Anna, Isabell und viele, viele weitere.
Danke an die vielen kleinen Kinder, die ihre Spielzeugkisten für mich ausgemistet haben. Danke an die vielen erwachsenen Kindern, die in ihren Junk Schubladen nach alten Relikten gestöbert und mir vermacht haben. Teilweise haben mich Schuhkartons oder größere Pakete per Post erreicht, voll gepackt mit bunten Teilen, alten Puppen und anderen Erinnerungsstücken, die jahrelang in Kisten und Schachteln in Schränken auf ihren Moment gewartet haben. Findet ihr euch im Haus wieder?

